• Juni

    Zum Juni ein Insekt. Die hier gezeigten Hornissen sind sozusagen die Türsteherinnen eines Apfelbaums. Im Inneren haben die Hornissen ihr Nest gebaut und die „Wächter“ stellen sicher, dass keine ungebetenen Eindringlinge dorthin gelangen.

    Aufgenommen wurde das Bild im August des letzten Jahres, am Rande einer Obstwiese in den Rieselfeldern von Münster. Ein großflächiges Gebiet, welches früher der Verrieselung von Abwässern diente und heute mit seinen vielen Wasserflächen ein großes Vogelschutzgebiet darstellt. Neben Vögeln, Säugetieren, Amphibien und Reptilien, zeigen sich hier aber eben auch Insekten in einer tollen Vielfalt.

    Die europäische Hornisse ist die größte Faltenwespe bei uns und entgegen ihres Rufes absolut friedfertig und dem Menschen gegenüber auch überhaupt nicht aufdringlich. Anders als die gemeine Wespe, verfliegt sie sich im Sommer auch kaum an unsere Open-Air-Esstische und normalerweise haben wir überhaupt keinen Kontakt. Den Argwohn der Menschen verdankt sie vermutlich ihrer kleinen Cousine, der Wespe, wie wir sie schon von Kindheit an aus dem Sommer kennen. Wer mal von einer Wespe gestochen wurde, möchte das bestimmt nicht von der größeren Hornisse werden. Wie alle Wespen steht die Hornisse unter besonderem Schutz. Nester dürfen nicht ohne weiteres entfernt werden, auch wenn man sie im eigenen Haus findet. Eine Umsiedelung durch Fachleute wäre dann angeraten. Wer aber das Glück hat und selber mal ein Hornissennest in der Natur findet (im Wald, in der Heide, in Obstbäumen, etc.), der sollte sich das Treiben auf jeden Fall einmal anschauen. Auch aus der „Nähe“. In den meisten Fällen stellt das für die Hornissen nämlich gar kein Problem dar, wenn man sich auf ein paar wenige Meter nähert. Beeindruckende Brummer sind das.

    Für das biologische Gleichgewicht sind die einheimischen Hornissen nützlich und gelten als Nützlinge. Anders verhält es sich mit der asiatischen Hornisse, die sich in Europa in den letzten Jahren immer mehr ausbreitet. Diese lässt sich dabei beobachten, wie sie andere Fluginsekten im Akkord erbeutet. Das ärgert unter anderen die Imker, an deren Bienenvölkern es dann zugeht, wie in einem Selbstbedienungsladen. Vor einiger Zeit wurde noch jedes gefundene Nest nach Meldung professionell entfernt. Heute hat man den „Kampf“ gegen diese invasive Art für verloren erklärt. Es lohnt sich vermeintlich dennoch, sich bei Funden kundig zu machen, ob diese noch gemeldet werden sollen oder nicht.

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    Asiatische Hornisse

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  • Mai

    Wonnemonat Mai. Im gleichen Monat des Vorjahres ist dieses Bild entstanden und es war sicher die spektakulärste Begegnung von allen hier gezeigten. Ach, nennen wir das ruhig beim Namen. Das hier war nicht weniger als eine Sensation für den laienhaften Hobby-Orni! Aber der Reihe nach. Wir befinden uns hier in der Wahner Heide, einem Naturschutzgebiet zwischen Köln, dem Bergischen und dem Rhein-Sieg-Kreis. Das Gebiet ist groß und besteht im Wesentlichen aus Waldstücken und vielfältigen Offenlandschaften, wie der namensgebenden Heide. Hier bietet gerade der Mai ein kleines El Dorado und von den Wanderwegen aus lassen sich wunderbar Goldammer, Neuntöter, Heidelerche, Grauschnäpper, Schwarzkehlchen, verschiedene Grasmücken (so nennt sich wirklich eine Vogelfamilie!) oder einige Spechtarten in der Landschaft entdecken. Das Bild ist dort aufgenommen, wo die Kölner PLZ von der Rösrather abgelöst wird und zeigt einen Wiedehopf. Ein wahrer Paradiesvogel mit seinen unterschiedlichen Mustern, dem langen Schnabel und dem kammartigen Kopfschmuck, welchen er in bestimmten Situationen aufstellt. Aber wieso ist das nun so besonders, den Wiedehopf bei uns zu sehen? Früher soll er auch bei uns ein gebietsweise häufiger Vogel gewesen sein, heute ist Deutschland in seinem Verbreitungsgebiet aber nahezu ausgespart. Einzig im Osten des Landes sowie in den besonders warmen Teilen Baden-Württembergs gehört er (teils dank engagierter Hilfsprojekte) zur regelmäßigen Fauna. Am Klima mag das weniger liegen, denn er bevorzugt es warm und trocken. Daher fühlt er sich vermutlich am Kaiserstuhl besonders wohl, wo er mitten in den Weinbergen brütet. Deutlich südlicher in Europa sieht man ihn häufig. Mitunter sogar in Stadtparks, wie in Valencia. Generell gehört er anderswo fest zur Vogelwelt. Nur eben in Deutschland sieht das anders aus. Und für NRW galt sogar bis vor wenigen Jahren: „seit den späten 70ern ausgestorben“. Einigen Quellen nach ist in den letzten 3-4 Jahren immer mal wieder ein Wiedehopf auch hier gesichtet worden. Außergewöhnliche Randerscheinungen bleiben sie aber trotzdem. Die Gründe für seine Abstinenz liegen in der fehlenden Nahrung und dem Verschwinden von geeigneten Brutplätzen. Spezialisiert auf große Insektenlarven oder Grillen ist es für ihn katastrophal, wie deren Bestand immer weiter zurück geht. Insektensterben ist eben keine Kleinigkeit, sondern nur der Beginn einer fehlenden Nahrungskette. Auf der anderen Seite findet man kaum noch alte Bäume, in denen der Wiedehopf Brutmöglichkeiten findet. Alles in allem ist so eine Sichtung daher am Aufnahmeort schon spektakulär.

    Gleichermaßen verrückt ist auch, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Ich war mit einem Gleichgesinnten in der Wahner Heide verabredet und das ganz sicher nicht wegen des Wiedehopfes. Auf Meldeplattformen im Internet werden Eintragungen zu ihm aufgrund seines besonderen Schutzstatus nicht öffentlich gemacht. Wir wussten also nicht einmal, dass er sich dort aufhält. Als mein Freund dann etwas später in der blühenden Ginsterlandschaft eintraf als ich, erzählte er mir erst einmal von einem Gespräch, welches er auf dem Weg mit einem Spaziergänger geführt hatte. Dieser hatte ihn angesprochen. Wohl weil Reinhard mit seinem Fernglas den richtigen Eindruck vermittelte, dass er sich mit Vögeln auskennt. Der Spaziergänger berichtete über eine „seltsam klingende Taube“ und versuchte, das von ihm gehörte Geräusch zu imitieren. Reinhard muss ihm daraufhin in etwa geantwortet haben:

    „Junger Mann, was sie da so schön intonieren klingt nicht nach einer Taube, sondern nach einem Wiedehopf. Und den gibt’s hier leider nicht.“

    An sich aufgrund der fehlenden Wahrscheinlichkeit keine falsche Antwort, auch wenn sich das zu unserer Begeisterung am Ende dann doch anders darstellen sollte. Als wir beide dann eine Weile die Wege abspazierten und uns über einige Neuntöter und Schwarzkehlchen freuten, kam uns der Spaziergänger entgegen.

    „Hallo nochmal! Das, was sie eben mit dem Wiedehopf meinten, scheint zu stimmen. Habe eben ein Pärchen mit Ferngläsern getroffen und die haben mir erzählt, dass sie hier tatsächlich einen Wiedehopf vor ein paar Tagen gesehen haben.“

    Immer noch ungläubig und auch ein bisschen amüsiert über die Situation sagte ich dann scherzhaft zu Reinhard:

    „Na komm, dann gehen wir halt jetzt einen Wiedehopf fotografieren.“

    Was klang wie eine Selbstverständlichkeit, war natürlich nur eine ironische Blödelei. Selbst wenn es wirklich stimmen sollte. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Vogel in der großen Offenlandschaft dann auch zu finden, wäre ähnlich hoch, wie einen ausgefüllten Lotto-Schein mit 6 Richtigen auf dem Weg zu finden. Wir gingen den Weg dann etwa 30 Meter weiter bis ich plötzlich (und beinahe erschrocken) wie zu Stein erstarrte.

    „Reinhard, da isser!!!“

    Ein Satz, der uns im letzten Jahr noch oft zum Lachen gebracht hat. Zwischen dem blöden Scherz und dem Anblick des Paradiesvogels waren vielleicht gerade einmal zwei Minuten vergangen und jetzt lief er etwa 20 Meter vom Weg entfernt durch die Wiese und pickte sich eine Insektenlarve nach der nächsten aus dem Boden. Mehr Glück geht nicht. Das Ergebnis zeigt dir dein Kalender nun einen ganzen Mai lang und darüber freue ich mich total.

    Ich hoffe, du freust dich auch, denn es ist mindestens eine echte Rarität. Nicht nur der Vogel an sich, sondern auch das Bild. Bis auf die, welche wir an diesem Tag selber gemacht haben, habe ich von „unserem“ Wiedehopf noch keine weiteren gesehen. Es wurde aber auch nicht viel darüber gesprochen, dass er da war.

    Zum Abschluss dieser Begleitzeilen möchte ich noch explizit auf ein tolles Projekt aus Brandenburg hinweisen. Dort ist „Wiedehopfen“ ansässig, mit einer Idee ganz nach meinem Geschmack. Unabhängig und handwerklich gebrautes Bier erwerben und damit ein Programm zur Unterstützung des Wiedehopfs finanzieren? Klingt fantastisch und ist es auch. Der Link dazu steht weiter unten.

    Es wäre schön, wenn irgendwann so eine Begegnung, wie wir sie hatten, etwas weniger spektakulär und ein bisschen mehr normal werden würde. Auch in NRW.

    Weitere Impressionen dieses denkwürdigen Moments.

    Mehr zum Wiedehopf?

    Der Wiedehopf beim NABU

    https://www.avi-fauna.info/hopfvoegel/wiedehopf

    Der Wiedehopf bei der Heinz-Sielmann-Stiftung

    Wiedehopfen kaufen und dem Wiedehopf helfen!

  • April

    Alles andere als ein Aprilscherz und viel mehr einer der schönsten Greifvögel, die wir hier bei uns haben, ist der Turmfalke. Nach dem Mäusebussard ist er außerdem der zweithäufigste derer und in ganz Mitteleuropa der zahlenmäßig häufigste aller Falken. Ein wirklich regelmäßig anzutreffender Jäger, der mich vor ein paar Jahren dazu verleitet hat, in ein wirklich großes Teleobjektiv zu investieren. Groß ist er mit seinen etwa 35cm nicht. Das überbietet so manche Taube. Kommt man ihm etwas näher, offenbaren sich wunderbare Details im Gefieder sowie die großen und tiefschwarzen Augen, mit denen er seine Beute aus großer Entfernung wahrnimmt. Glücklicherweise sind Turmfalken weniger Scheu als andere Greife und tolerieren eine geringere Distanz zwischen ihnen und einem interessierten Menschen. Sicher hast Du schon einmal einen Turmfalken gesehen, wie er in der Luft stehend mit gesenktem Kopf rüttelnd den Boden nach Beute absucht, um sich dann pfeilschnell hinab zu stürzen. Am häufigsten ist das sicherlich an landwirtschaftlich genutzten Flächen zu beobachten. Letztlich ist der Turmfalke aber ein Kulturfolger und lebt überall dort, wo er Nahrung findet. Hauptsächlich sind das Mäuse. Zum Spektrum gehören aber auch Eidechsen, Heuschrecken oder andere Bodenbewohner. Daher kann man ihn auch mitten in der Stadt antreffen, wo er gerne in Kirchtürmen brütet und über Parks, Schrebergärten oder sogar vor unserem Balkon „rüttelt“. Als Brutstätte nutzt er das, was schon da ist. Dachluken, alte Krähennester oder hochgelegene Fenster sind allesamt geeignet. Dankend angenommen werden auch spezielle Nistkästen (Bauanleitung in den Links), die man sich im eigenen Garten aufstellen oder sogar am Haus anbringen kann.

    Auf deinem Aprilkalender siehst du einen männlichen Turmfalken, auch „Terzel“ genannt. Er unterscheidet sich vom Weibchen, da er kleiner(häufig bei Greifvögeln) und sein Gefieder anders gefärbt ist. Die Federn seiner Schwingen sind weniger gemustert als die des Weibchens und rostbraun. Am auffälligsten ist jedoch sein Kopf. Während das Weibchen ein rundum eher einheitliches Gefieder hat, ist der Kopf des Männchens gräulich gefärbt und erscheint mitunter sogar blau. Das macht ihn besonders hübsch.

    Aufgenommen wurde das Bild übrigens nur wenige Minuten nach dem Foto vom März, direkt an einer Kuhweide am Rheinufer. Ein besonders schönes Beispiel dafür, wie vielfältig das wilde Leben dort ist, wo der Mensch noch nicht alles zugebaut hat. Ein kleines Naturschutzgebiet direkt am großen Fluss bietet vielen Arten einen tollen Lebensraum und insgesamt sind gleich drei Fotos von dort im Kalender gelandet.

    So machte sich das „Kalendermännchen“ auf die Jagd:

    Und so sah das bei seinem Weibchen aus:

    Noch mehr Flugshow:

    Ein anderes Weibchen mit einer Maus als Beute:

    Mehr zum Turmfalken?

    Infos zum Turmfalken beim NABU

    Noch mehr Infos

    Bauanleitung für einen Nistkasten

  • März

    Willkommen im März. Ein Monat, wie eine Vorspeise im mehrgängigen Feinschmeckermenü für Leute, die draußen gerne etwas entdecken. Der Frühling rückt näher. Manchmal ist es mit unserem veränderten Klima gar nicht mehr so eindeutig abzugrenzen und man könnte meinen, es wäre schon Mai. Grundsätzlich gilt aber, dass jetzt einige Vögel aus ihren Winterquartieren zurückkehren und sich die Wildnis in Windeseile darauf vorbereitet, die nächste Generation zu sichern. Eine spannende Zeit.

    Das Kalenderblatt zeigt einen ganz besonderen Naturschatz mit einem skurrilen wie niedlichen Namen. Der Flussregenpfeifer kommt bei uns nur vom Frühling bis zum Herbst vor und ist also einer dieser Vögel, die jetzt wieder bei uns eintreffen. Dieses Bild ist Anfang April des letzten Jahres entstanden, als er sich lange am Rheinufer des nördlichen Stadtrands von Köln aufhielt. Sein Lebensraum lässt sich gut mit „Kies am Wasser“ beschreiben, denn dort errichtet er seine Nester am Boden. Und das ist mitunter sein Problem. Sein Vorkommen in Deutschland nimmt rapide ab. Gründe dafür sind (wie immer) verbaute Lebensräume, Fressfeinde, Bruträuber und der Wechsel von Austrocknung und Hochwasser. An diesem Beispiel erklärt es sich leicht. Zu der Zeit, in der diese Aufnahme entstanden ist, hatte es lange nicht oder nur wenig geregnet. Der Rhein stand daher ziemlich tief und es bildeten sich kleine Kies-Inseln. Dort hielten sich die Flussregenpfeifer auf. Geschützt durch das Wasser, welches sie vom tatsächlichen Ufer trennte. Gut möglich, dass sie genau dort auch brüten wollten oder gar ihre Nester angelegt hatten. Allerdings stieg der Pegel des Rheins naturgemäß nach einigen starken Regenfällen wieder und die Inseln verschwanden. Eine erfolgreiche Brut ist so natürlich nicht möglich. Hoffen wir, dass sie irgendwo am Ufer mehr Glück hatten.

    Einem dieser Vögel einmal zu begegnen, wünsche ich jedem Menschen. Die weniger als 20cm großen Zwerge sind einfach zu süß, wie sie mit tippelnden Schritten durch den Kies sausen und dabei ihr schrilles Lied singen. Sie zu sehen, ist wie ein Test für die Augen. Sie könnten auf dem steinigen Untergrund kaum besser getarnt sein (siehe die beiden Suchbilder weiter unten). Hält man dann aber genug Abstand, kann man ihr geschäftiges Treiben sehr schön beobachten und die Welt ist für den Moment in Ordnung.

    Suchbilder und weitere Eindrücke vom Tag:

    Mehr zum Flussregenpfeifer?

    Infos zum Flussregenpfeifer beim NABU

    https://www.avi-fauna.info/regenpfeiferartige/regenpfeifer/flussregenpfeifer

  • Februar

    So schnell ist der erste Monat des Jahres auch schon verstrichen und wir sind im Februar gelandet. Dein Kalender zeigt Dir in den nächsten 28 Tagen einen Rehbock, wie er am 02. April des letzten Jahres in einem jungen Weizenfeld steht. Hübsch steht es da, dieses schöne Tier. Rehe sind gute Botschafter für die hiesige Wildnis, denn mindestens außerhalb der Innenstädte, dürfte jeder Mensch wohl schon einmal eins in freier Natur gesehen haben. Das Einsperren in Wildparks funktioniert mit ihnen, anders als mit Hirschen, nämlich nicht. Ein Reh zu sehen bedeutet also immer auch in seinen Lebensraum eingetaucht zu sein, ohne es im Normalfall bemerkt oder gar vorgehabt zu haben. Laut der deutschen Wildtierstiftung leben hierzulande etwa 2,5 Millionen Rehe, also ein mehr als stabiler Bestand. Unsere Begegnungsstätten können vielseitig sein. Im Wald, auf der Wiese und in den Agrarlandschaften haben wir ebenso die Chance, wie in geeigneten Siedlungsbereichen oder sogar isoliert auf Friedhöfen (z.B. in Wien). Rehe sind anpassungsfähig und fühlen sich überall dort wohl, wo man sie und ihre Verstecke in Ruhe lässt und wo sie etwas zu Fressen finden. Das kann dann eben auch schon einmal der eigene Garten sein. Wer soviel Glück hat, hat vielleicht auch schon verwundert festgestellt, wie klein so ein Reh überhaupt ist. Da wir sie normalerweise nur aus der Ferne beobachten, stellen wir sie uns gerne viel größer vor, als sie sind. Gerade einmal 70cm misst das Tier vom Fuß bis zum Rücken. Viel größer als ein Schäferhund sind sie also nicht.

    Hunde sind eine gute Überleitung zur Entstehung dieses Fotos. Aufgenommen wurde es kurz vor der Autobahnauffahrt in Richtung Köln, an einem Feld nahe Düren. Grundsätzlich gibt es auf dem sehr landwirtschaftlich geprägten Streckenabschnitt zwischen A4 und meinem Arbeitsort wirklich viel zu sehen. Fasan, Rebhuhn, Mäusebussard, Turmfalke, Graureiher, Feldhase, Fuchs oder eben Reh zeigen sich dort je nach Jahreszeit häufig. Leider reicht es meist aber nur für den flüchtigen Blick aus dem fahrenden Auto, denn Anhaltemöglichkeiten sind rar. Kurz vor der Autobahn aber geht einer der wenigen Feldwege von der Bundesstraße ab und dort habe ich im Frühjahr einige Male kurz angehalten. Grund dafür war eigentlich ein Turmfalkenpärchen, welches dort gerne jagte und sich dabei oft auf den Leitungsmasten am Feldrand ausruhte. So auch an diesem Tag. In weiterer Ferne standen dann aber eben die 3 Hunde im Feld. Die Verärgerung über die freilaufenden Bernhardiner entpuppte sich schnell als unbegründet, denn die Hunde waren gar keine. Es waren 3 Rehe, die am Mittag bei schönstem Wetter mitten im Feld standen. Durch das Objektiv zeigte sich, dass hier eine Ricke mit zwei vermutlich jungen Böcken unterwegs war. Das Geweih des abgebildeten Bocks ist noch vom sogenannten „Bast“ überzogen. Was aussieht, wie ein plüschiger Überzug, ist eigentlich dafür gedacht, das neue Geweih im Wachstum zu schützen und mit Nährstoffen zu versorgen. Rehböcke werfen ihr Geweih zum Ende eines jeden Jahres ab und im Frühjahr, wenn das neue unter der Basthaut vollständig ausgebildet wurde, wird die samtige Schutzhülle einfach an Bäumen und Büschen abgestreift. Das dürfte bei diesem Reh nicht lange nach der Aufnahmesituation geschehen sein. Ebenso wie ein Fellwechsel, der sich hier auch schon deutlich andeutet.

    Eigentlich ist das Fotografieren von Rehen gar nicht so leicht, wie es hier im Ergebnis scheint. Wenn man als Busch verkleidet stundelang an einer vielversprechenden Waldlichtung wartet, mag es vorkommen, dass ein Reh aus der Deckung tritt und mit viel Glück dann irgendwann nur wenige Meter vor der Kamera steht. In dieser Situation aber wurde ein anderer Trick angewandt, nämlich der „ahnungslose Spaziergänger“. Rehe sind durchaus schreckhafte Fluchttiere, die eigentlich keine Nähe tolerieren und schnell das Weite suchen. Sie sind sehr aufmerksam. Bevor sie flüchten, halten sie allerdings meist inne, erstarren und gucken dich an. Das ist die Chance, so zu tun, als hätte man sie selber gar nicht gesehen und weiterzugehen. Und nach eben diesem Prinzip bin ich zügig und ohne weiteren Blick den Feldweg weitergelaufen, bis ich einen Heckenstreifen erreicht hatte, hinter dem ich mich verstecken konnte. Das hat als Tarnung offenbar ausgereicht und die Rehe haben in aller Ruhe weitergeäst. Dabei sind sie dem Heckenstreifen relativ nahe gekommen.

    Mehr zum Reh?

    Infos zum Reh bei der deutschen Wildtierstiftung

  • Januar

    Willkommen im Jahr 2026! Möge es ein gesundes und glückliches Jahr für Dich sein.

    Du siehst zur Begrüßung des neuen Jahres einen Uhu, die größte Eule Europas. Sicher kennst du seinen namensgebenden Ruf und vielleicht hattest du schon einmal das Glück, ihn selber in der Nacht zu hören. Der Uhu ist mit seiner Größe, seinen respekteinflößenden Fängen und seiner ganzen imposanten Gestalt absolut beeindruckend. Da möchte man kein Hase, Kaninchen oder Eichhörnchen sein. Seine Federohren, die überhaupt nichts mit seinem Gehör zu tun haben, sondern einfach nur hübsch aussehen, sind eins seiner „Markenzeichen“.

    Heute hat sich der Bestand in Deutschland erholt, umfangreichen Schutzmaßnahmen seit den 1960er Jahren sei Dank. Bis dahin hatte es der Mensch beinahe geschafft, die Eule durch jagdliche Verfolgung und Lebensraumzerstörung auszurotten. Letzteres mag plausibel klingen, weil man davon in vielen Zusammenhängen hört. Aber warum jagte man eine Eule? Aus dem selben Grund, aus dem auch heute noch Jagd auf Fuchs und Dachs gemacht wird. Man gab vor, damit das sogenannte „Niederwild“ (wie Feldhase, Wildkaninchen, Rebhuhn oder Fasan) „schützen“ zu wollen. Im Falle des Uhus hatte man glücklicherweise ein Einsehen und stellte ihn streng unter Schutz. Jahrzehntelange Programme zur Wiederansiedlung später, hat er sich wieder etabliert und nimmt verschiedene Lebensräume ein. Ganz klassisch sind sicherlich die Wälder mit offenen Jagdflächen oder Felswände und Steinbrüche sein Revier. Aber auch in stillgelegten Industriegebäuden, wie etwa im Ruhrgebiet, lässt er sich nieder.

    Dieser eine Uhu, den du hier auf dem Foto siehst, sitzt allerdings mitten in einer hochfrequentierten Parkanlage unweit des Kölner Zentrums. Im Januar letzten Jahres hielt sich wochenlang beharrlich das Gerücht, dass sich dort immer mal wieder ein Uhu aufhalten soll. Ich habe nicht daran geglaubt und ihn bei allen, von der Neugierde getriebenen, Besuchen auch nirgends finden können. Das Gerücht habe ich mir mit der Verwechslungsgefahr zur Waldohreule erklärt. Die ist zwar viel kleiner, hat aber eben auch die hübschen Federohren. Allerdings traf ich dann auf einen anderen Menschen mit derselben Neugier, der mir tatsächlich ein Handyfoto zeigen konnte. „Gibt’s ja nicht, das war wirklich ein Uhu“. Und kurz bevor der Januar zu Ende ging, erreichte mich während des Arbeitstages die Nachricht, dass er wieder mitten im Park sitzt. Einige Stunden, viele Kilometer im Auto und einen vollbepackten Sprint aus dem innerstädtischen Stau quer durch einen anderen Park später stand ich dann tatsächlich vor diesem riesigen Tier. Gerade noch bevor es an dem ohnehin schon düsteren und grauen Tag völlig dunkel wurde. Wenn man in so einer Situation noch fotografieren möchte, braucht es eine ruhige Hand. Die Belichtungszeit in diesem Setting muss sehr lang sein und die Gefahr, alles zu verwackeln ist groß. In Verbindung mit dem Tempolauf zuvor, der Aufregung und dem Adrenalin keine leichte Aufgabe. Mehr als 1000 Auslösungen später waren aber dann doch einige dabei, bei denen ich die Kamera ohne Stativ auch für eine Achtelsekunde ausreichend stillhalten konnte und der Uhu war im Kasten. Eine schöne Erinnerung an ein tolles Erlebnis. Warum der Vogel zeitweise immer mal wieder diesen Ort aufgesucht hat, bleibt sein Geheimnis. Nahrungstechnisch hat der Park mit etlichen Tauben, Kaninchen und Eichhörnchen für ihn sicher seinen Reiz. Eine andere Erklärung ist jedoch ebenso denkbar und klingt wie eine tragische Liebesgeschichte. Weniger als 300 Meter Luftlinie entfernt fristet nämlich ein weiterer Uhu sein Dasein im Zoo. Nicht auszuschließen, dass hier ein freilebender Vogel die Nähe zu einem eingesperrten Artgenossen suchte. Wie dem auch sei. Der Park-Uhu wurde seitdem nicht mehr gesehen und hat hoffentlich woanders eine Partnerin (oder einen Partner) gefunden.

    Mehr zum Uhu?

    Infos zum Uhu beim NABU

    Artenportrait beim Bundesamt für Naturschutz

    https://www.avi-fauna.info/eulen/eigentliche-eulen/uhu

  • 12 Monate – beyond the concrete

    Hallo und herzlich willkommen!

    Du bist hier gelandet, weil Du einem Link gefolgt bist. Diesen Link hast du wiederum erhalten, weil du einen meiner Wildtierkalender für das Jahr 2026 besitzt. Ob du ihn von jemandem geschenkt bekommen oder dir sogar selbst geschenkt hast, spielt keine Rolle. Schön, dass du hier bist! Sollten wir uns nicht persönlich kennen, mein Name ist David und ich habe die Fotos gemacht, welche Dich hoffentlich ein Jahr lang erfreuen.

    Auf dieser Seite wirst Du im kommenden Jahr zu jedem Monatsfoto ein paar Worte finden. Wenn Du Lust und Interesse daran hast, kannst du sie lesen. Mich würde das freuen, denn ein Foto ist letztlich nicht mehr als eine Momentaufnahme. Ein eingefrorener Augenblick, der die Geschichte dahinter nur bedingt erzählen kann.

    Auf diesem Wege werden Dich also, ähnlich einem Begleittext, nun monatsweise Hintergrundgeschichten und Infos erreichen, welche die Fotos hoffentlich mit noch mehr Leben füllen und Dir im besten Falle das gezeigte Tier etwas näherbringen oder dich neugierig machen. Wenn Du das möchtest. Grundsätzlich gilt für alle Fotos: „Beyond the concrete“, also jenseits des Betons. Was, wie ich herausfinden durfte, anscheinend eine Stilrichtung in der Baubranche ist, meint hier etwas anderes und vermutlich sehr naheliegendes. Jenseits des Betons gibt es nämlich viel zu sehen, wenn man Augen und Ohren offen hält und sich darauf einlässt. Egal ob tief im Wald oder auf kleinen Grünflächen mitten in der Stadt.

    In der Naturfotografenszene wird gerne eine vielzitierte Aussage eines berühmten Zoologen dazu genutzt, dass eigene Tun zum Naturschutz zu erklären. Da Konrad Lorenz neben seinen Verdiensten für eben jenen Naturschutz allerdings auch eine aktive NS-Vergangenheit mit sich brachte, möchte ich ihn hier nicht zitieren. Sinngemäß und leicht abgewandelt, trifft der Gedanke aber durchaus eins der vielen Anliegen meines Kalenders.

    Es ist gut, Schönes schützen und bewahren zu wollen. Die Grundlage dafür ist, das Schöne überhaupt zu kennen und im besten Falle sogar ein bisschen zu verstehen.

    Wenn dieser Kalender in irgendeiner Form dazu beiträgt, dass sich für den Erhalt der abgebildeten Wildnis eingesetzt wird, hätte er seinen Zweck über die hoffentlich ansprechenden Aufnahmen hinaus erfüllt. In diesem Sinne. Liebe Grüße und viel Freude mit Deinem Kalender,

    David

    P.S. das Titelbild zeigt dir übrigens einen Waldkauz in seiner Platane auf einem großen und bekannten Friedhof in Köln. Wenn Du hier mehr über Waldkäuze erfahren möchtest, solltest du bis zum Dezember durchhalten 😉