
So schnell ist der erste Monat des Jahres auch schon verstrichen und wir sind im Februar gelandet. Dein Kalender zeigt Dir in den nächsten 28 Tagen einen Rehbock, wie er am 02. April des letzten Jahres in einem jungen Weizenfeld steht. Hübsch steht es da, dieses schöne Tier. Rehe sind gute Botschafter für die hiesige Wildnis, denn mindestens außerhalb der Innenstädte, dürfte jeder Mensch wohl schon einmal eins in freier Natur gesehen haben. Das Einsperren in Wildparks funktioniert mit ihnen, anders als mit Hirschen, nämlich nicht. Ein Reh zu sehen bedeutet also immer auch in seinen Lebensraum eingetaucht zu sein, ohne es im Normalfall bemerkt oder gar vorgehabt zu haben. Laut der deutschen Wildtierstiftung leben hierzulande etwa 2,5 Millionen Rehe, also ein mehr als stabiler Bestand. Unsere Begegnungsstätten können vielseitig sein. Im Wald, auf der Wiese und in den Agrarlandschaften haben wir ebenso die Chance, wie in geeigneten Siedlungsbereichen oder sogar isoliert auf Friedhöfen (z.B. in Wien). Rehe sind anpassungsfähig und fühlen sich überall dort wohl, wo man sie und ihre Verstecke in Ruhe lässt und wo sie etwas zu Fressen finden. Das kann dann eben auch schon einmal der eigene Garten sein. Wer soviel Glück hat, hat vielleicht auch schon verwundert festgestellt, wie klein so ein Reh überhaupt ist. Da wir sie normalerweise nur aus der Ferne beobachten, stellen wir sie uns gerne viel größer vor, als sie sind. Gerade einmal 70cm misst das Tier vom Fuß bis zum Rücken. Viel größer als ein Schäferhund sind sie also nicht.
Hunde sind eine gute Überleitung zur Entstehung dieses Fotos. Aufgenommen wurde es kurz vor der Autobahnauffahrt in Richtung Köln, an einem Feld nahe Düren. Grundsätzlich gibt es auf dem sehr landwirtschaftlich geprägten Streckenabschnitt zwischen A4 und meinem Arbeitsort wirklich viel zu sehen. Fasan, Rebhuhn, Mäusebussard, Turmfalke, Graureiher, Feldhase, Fuchs oder eben Reh zeigen sich dort je nach Jahreszeit häufig. Leider reicht es meist aber nur für den flüchtigen Blick aus dem fahrenden Auto, denn Anhaltemöglichkeiten sind rar. Kurz vor der Autobahn aber geht einer der wenigen Feldwege von der Bundesstraße ab und dort habe ich im Frühjahr einige Male kurz angehalten. Grund dafür war eigentlich ein Turmfalkenpärchen, welches dort gerne jagte und sich dabei oft auf den Leitungsmasten am Feldrand ausruhte. So auch an diesem Tag. In weiterer Ferne standen dann aber eben die 3 Hunde im Feld. Die Verärgerung über die freilaufenden Bernhardiner entpuppte sich schnell als unbegründet, denn die Hunde waren gar keine. Es waren 3 Rehe, die am Mittag bei schönstem Wetter mitten im Feld standen. Durch das Objektiv zeigte sich, dass hier eine Ricke mit zwei vermutlich jungen Böcken unterwegs war. Das Geweih des abgebildeten Bocks ist noch vom sogenannten „Bast“ überzogen. Was aussieht, wie ein plüschiger Überzug, ist eigentlich dafür gedacht, das neue Geweih im Wachstum zu schützen und mit Nährstoffen zu versorgen. Rehböcke werfen ihr Geweih zum Ende eines jeden Jahres ab und im Frühjahr, wenn das neue unter der Basthaut vollständig ausgebildet wurde, wird die samtige Schutzhülle einfach an Bäumen und Büschen abgestreift. Das dürfte bei diesem Reh nicht lange nach der Aufnahmesituation geschehen sein. Ebenso wie ein Fellwechsel, der sich hier auch schon deutlich andeutet.
Eigentlich ist das Fotografieren von Rehen gar nicht so leicht, wie es hier im Ergebnis scheint. Wenn man als Busch verkleidet stundelang an einer vielversprechenden Waldlichtung wartet, mag es vorkommen, dass ein Reh aus der Deckung tritt und mit viel Glück dann irgendwann nur wenige Meter vor der Kamera steht. In dieser Situation aber wurde ein anderer Trick angewandt, nämlich der „ahnungslose Spaziergänger“. Rehe sind durchaus schreckhafte Fluchttiere, die eigentlich keine Nähe tolerieren und schnell das Weite suchen. Sie sind sehr aufmerksam. Bevor sie flüchten, halten sie allerdings meist inne, erstarren und gucken dich an. Das ist die Chance, so zu tun, als hätte man sie selber gar nicht gesehen und weiterzugehen. Und nach eben diesem Prinzip bin ich zügig und ohne weiteren Blick den Feldweg weitergelaufen, bis ich einen Heckenstreifen erreicht hatte, hinter dem ich mich verstecken konnte. Das hat als Tarnung offenbar ausgereicht und die Rehe haben in aller Ruhe weitergeäst. Dabei sind sie dem Heckenstreifen relativ nahe gekommen.









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